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Bewerbung

Das öffentliche Profil in der Bewerbung: was GitHub und Portfolio bringen

Ein öffentliches Code-Profil ersetzt kein Anschreiben und keine Referenz – aber es beantwortet eine Frage, die Zeugnisse offenlassen. Wer es anlegt, sollte wissen, was davon gelesen wird, was rechtlich nicht hineingehört und für welche Rollen es gar nichts bringt.

7 Min. Lesezeit von Steven Schulz

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Das öffentliche Profil in der Bewerbung: was GitHub und Portfolio bringen

Die eine Frage, die ein Profil beantwortet

Arbeitszeugnisse sagen, dass jemand beschäftigt war. Abschlüsse sagen, dass jemand geprüft wurde. Beide sagen nichts darüber, wie jemand arbeitet, wenn ihm niemand die Aufgabe zerlegt hat. Genau das ist die Frage, auf die ein öffentliches Profil eine Antwort geben kann – und der Grund, warum es in der Softwareentwicklung inzwischen verbreitet erwartet wird, obwohl es keine Pflicht ist und auch keine werden sollte.

Wichtig ist die Umkehrung: Ein Profil beantwortet nur diese eine Frage. Es ersetzt kein Anschreiben, es ersetzt keine Referenz, und es macht aus einem unpassenden Lebenslauf keinen passenden. Wer es als Ersatz für die übrige Bewerbung behandelt, verschenkt Arbeit.

Was wirklich angesehen wird

Die Zeit, die ein öffentliches Profil in einem Auswahlverfahren bekommt, ist kurz. In den Häusern, die überhaupt hineinsehen, sind es typischerweise wenige Minuten, und sie verteilen sich vorhersehbar.

Zuerst wird die Startseite des Profils gelesen: Gibt es überhaupt etwas, das eigenständig aussieht, oder nur Kopien fremder Vorlagen aus Kursen? Dann wird ein einziges Projekt geöffnet, meist das oben angeheftete. Dort entscheidet die Beschreibungsdatei: Was macht das Ding, für wen, wie startet man es, welche Entscheidung wurde bewusst getroffen. Erst danach – und oft gar nicht mehr – wandert der Blick in den Quelltext, und dort in die Struktur und nicht in einzelne Zeilen.

Was hingegen kaum gelesen wird, ist die Beitragsgrafik mit den grünen Kästchen. Sie misst Häufigkeit und nicht Inhalt, sie lässt sich trivial erzeugen, und sie benachteiligt jeden, der in Arbeitsverhältnissen mit geschlossenen Systemen arbeitet – also den größten Teil der Branche. Wer ein Profil nach dieser Grafik baut, optimiert auf eine Kennzahl, die niemand ernst nimmt.

Daraus folgt eine einfache Regel: Drei gepflegte Projekte mit sauberer Beschreibung schlagen dreißig angefangene. Und ein einziges Projekt, das ein echtes Problem löst, schlägt jede Sammlung von Übungsaufgaben aus einem Kurs.

Was nicht hineingehört, und zwar aus Rechtsgründen

An dieser Stelle enden die Geschmacksfragen. Drei Regeln sind verbindlich.

Erstens das Urheberrecht am Arbeitsergebnis. Wird ein Computerprogramm von einem Arbeitnehmer in Wahrnehmung seiner Aufgaben oder nach Anweisungen des Arbeitgebers geschaffen, ist nach dem Urheberrechtsgesetz ausschließlich der Arbeitgeber zur Ausübung aller vermögensrechtlichen Befugnisse berechtigt, sofern nichts anderes vereinbart ist. Wer Code aus dem Arbeitsverhältnis veröffentlicht, verfügt über fremde Rechte – auch dann, wenn er ihn selbst geschrieben hat und auch dann, wenn der Arbeitgeber ihn nicht mehr benutzt.

Zweitens der Geheimnisschutz. Das Geschäftsgeheimnisgesetz schützt Informationen, die nicht allgemein bekannt sind, einen wirtschaftlichen Wert haben und für die angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen getroffen wurden. Konfigurationsdateien, Schnittstellenbeschreibungen, Kundennamen in Beispieldaten und interne Adressbereiche fallen regelmäßig darunter. Der häufigste Fehler ist kein hochgeladenes Projekt, sondern eine vergessene Datei mit Zugangsdaten in der Versionsgeschichte – gelöscht ist sie im Arbeitsverzeichnis, nicht in der Historie.

Drittens die Lizenz. Ein öffentliches Repository ohne Lizenzangabe ist nicht gemeinfrei, sondern schlicht ungeklärt: Ohne Lizenz darf niemand den Code benutzen. Wer möchte, dass ein Arbeitgeber sein Werk als Arbeitsprobe wertet, sollte die Nutzungsbedingungen benennen, statt sie offenzulassen.

Vertraglich kommt ein Viertes hinzu. Nebentätigkeits- und Verschwiegenheitsklauseln reichen häufig weiter, als Beschäftigte annehmen, und in Verbindung mit nachvertraglichen Beschränkungen kann ein öffentliches Projekt zum Streitpunkt werden. Welche dieser Klauseln überhaupt wirksam sind, behandelt der Beitrag zu Wettbewerbsverbot, Abwerbeklausel und Fortbildungskosten.

Der Arbeitgeber darf hineinsehen – in Grenzen

Öffentlich zugängliche berufliche Profile darf ein Arbeitgeber im Auswahlverfahren zur Kenntnis nehmen. Die Verarbeitung von Beschäftigtendaten für die Begründung eines Beschäftigungsverhältnisses ist datenschutzrechtlich zulässig, soweit sie dafür erforderlich ist. Die Grenze verläuft dort, wo die Recherche nichts mehr mit der Eignung zu tun hat: private Netzwerke, Fotosammlungen, politische oder gesundheitliche Angaben.

Für Bewerber ist daraus zweierlei abzuleiten. Eine strikte Trennung von beruflichem und privatem Auftritt ist keine Übervorsicht, sondern die einfachste Form der Datensparsamkeit. Und wer ein berufliches Profil unterhält, sollte davon ausgehen, dass es vollständig gelesen wird – einschließlich der Kommentare in fremden Projekten. Der Ton dort ist Teil der Arbeitsprobe.

Rollen ohne Programmierung: was an die Stelle tritt

Der größte Teil der Stellen in diesem Portal verlangt keinen veröffentlichten Quelltext. In der Systemadministration, im Netzwerkbetrieb, in der SAP-Beratung und in der IT-Beratung wird an geschlossenen Systemen gearbeitet, und eine Arbeitsprobe daraus wäre ein Vertragsbruch.

An die Stelle des Repositorys treten dort andere Belege, und sie wirken genauso. Eine anonymisierte Projektliste mit Rolle, Systemumfang, Dauer und Ergebnis – ohne Kundennamen – ist in der Beratung das übliche und erwartete Format. Eine Dokumentation, die jemand selbst verfasst hat und zeigen darf, belegt Ausdrucksfähigkeit besser als jeder Satz im Anschreiben. Herstellerzertifikate belegen einen geprüften Kenntnisstand; was sie wert sind, steht in den Beiträgen zu den SAP-Zertifizierungen und den Cloud-Zertifikaten.

Und es gibt einen Zwischenweg, der zu wenig genutzt wird: eigene Werkzeuge. Ein Skript, das eine wiederkehrende Aufgabe der Administration abnimmt, ein Auswertungswerkzeug für Protokolldateien, eine kleine Erweiterung für ein offen dokumentiertes Format – solche Dinge entstehen ohne Betriebsgeheimnisse und zeigen dieselbe Arbeitsweise. Für Rollen in Cloud und DevOps und in der IT-Sicherheit ist das häufig überzeugender als ein weiteres Beispielprojekt.

Ein Profil altert, und zwar sichtbar

Anders als ein Lebenslauf trägt ein öffentliches Profil ein Datum an jeder Zeile. Das ist sein Vorteil, solange es gepflegt ist, und sein Nachteil, sobald es das nicht mehr ist. Ein Projekt, dessen letzte Änderung vier Jahre zurückliegt und dessen Abhängigkeiten seither nicht mehr auflösbar sind, sagt etwas anderes aus, als sein Verfasser meint.

Dagegen hilft weniger Aufwand, als es scheint. Wer zweimal im Jahr eine Stunde investiert, kommt weit: die angehefteten Projekte durchsehen, veraltete auf privat stellen statt sie zu löschen, bei den verbliebenen die Beschreibungsdatei auf den heutigen Stand bringen und prüfen, ob das Projekt auf einem frischen Rechner überhaupt noch startet. Der letzte Punkt ist der wichtigste: Nichts wirkt so schnell wie eine Anleitung, die funktioniert, und nichts so gegen den Verfasser wie eine, die es nicht tut.

Zur Pflege gehört auch die Entscheidung, etwas nicht zu veröffentlichen. Ein halbfertiges Projekt, das seit Monaten liegt, gehört nicht nach oben angeheftet, sondern aus der Auslage genommen. Ein öffentliches Profil ist eine Auslage und kein Archiv; es zeigt nicht, was jemand alles angefangen hat, sondern wofür er einsteht.

Und es gibt einen Zustand, der besser ist als ein schlechtes Profil: gar keins. Wer nichts Vorzeigbares hat, verliert durch das Fehlen weniger als durch drei Kursübungen ohne Beschreibung. Die Bewerbung steht dann auf Zeugnis, Referenz und Fachgespräch – und das ist in weiten Teilen dieses Marktes der Normalfall, nicht die Ausnahme.

Wie ein Profil in die Bewerbung eingebunden wird

Drei Handgriffe entscheiden darüber, ob das Profil überhaupt geöffnet wird.

Der erste: eine Adresse, nicht mehrere. Ein Link im Lebenslaufkopf, derselbe Link im Profil des Karrierenetzwerks, und beide führen auf dieselbe Seite. Wer vier Adressen angibt, bekommt null Aufrufe.

Der zweite: ein Satz, der sagt, was dort zu sehen ist. „Drei Projekte zur Datenverarbeitung, das oberste mit Beschreibung der Architekturentscheidungen" ist ein Satz, der ein Klicken auslöst. Ein nackter Link ist es nicht.

Der dritte: Passung zur Stelle. Wer sich auf eine Rolle in Daten und künstlicher Intelligenz bewirbt, heftet ein Datenprojekt oben an und nicht die Übungsaufgabe zur Weboberfläche. Das dauert zwei Minuten und entscheidet über die Wirkung des Ganzen.

Was das Profil im Gespräch auslöst

Wer ein Projekt veröffentlicht, muss damit rechnen, dass es zur Grundlage des Fachgesprächs wird – und das ist der eigentliche Ertrag. Ein Gespräch über eigenen Code verläuft anders als eine abstrakte Wissensabfrage: Es fragt nach Entscheidungen, nach Alternativen, nach dem, was man heute anders machen würde. Wer seine eigenen Projekte kennt, führt dieses Gespräch aus einer besseren Lage.

Umgekehrt gilt: Wer ein Projekt vorzeigt, das er nicht mehr erklären kann, hat sich geschadet. Alles, was angeheftet ist, muss vertretbar sein – auch der Teil, der vor drei Jahren entstand. Wie solche Fachgespräche ablaufen und welche Formen der Prüfung man ablehnen darf, steht im Beitrag zum Vorstellungsgespräch mit Programmieraufgabe. Wer den Weg in die IT ohne einschlägigen Abschluss geht, findet die übrigen Nachweise im Beitrag zum Quereinstieg.

Zur Einordnung eines konkreten Angebots hilft ein Blick auf die Vergütung in der Softwareentwicklung, auf die offenen Stellen und auf die Angebote für Softwareentwickler.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen Anzeigen aus ganz Deutschland, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.

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